Ausblick auf eine neue Führungskultur

Zu erwartende Entwicklung

Trendanalysen weisen darauf hin, dass ganzheitliches Denken unsere Kultur nachhaltig prägen wird. Dazu gehört, dass sämtliche Eigenschaften der Menschen genutzt werden (Vernunft, Gefühl, Wissen, Können). Unternehmen werden darin gefordert werden, die Wirkung ihrer Geschäftstätigkeit auf die Umwelt zu berücksichtigen, sowie Mitarbeiterziele mit den Unternehmenszielen in Einklang zu bringen. (FAHRLÄNDER-HUTTER, 1994, S. 271) KOTTER (1997, S. 219ff) hat die Unternehmen des 20. und des 21. Jahrhunderts einander gegenübergestellt und unter der Annahme, dass sich das Tempo des Wandels in der Wirtschaftswelt in absehbarer Zukunft nicht verlangsamen wird, sondern eher im Gegenteil weiter zunehmen wird, folgenden Unterschied herausgearbeitet.

 

Das Unternehmen des 20. und des 21. Jahrhunderts im Vergleich

20. Jahrhundert 21. Jahrhundert
Struktur
  • Bürokratisch
  • Viele Hierarchieebenen
  • Nach der Prämisse organisiert, dass die Geschäftsführung das Management übernimmt
  • Von Auffassungen und Verfahren bestimmt, die viele komplizierte internen Interdependenzen bedingen
Struktur
  • Unbürokratisch, weniger Regeln und Beschäftigte
  • Auf wenige Hierarchieebenen beschränkt
  • Nach der Prämisse organisiert, dass das Management führt und die Mitarbeiter managen
  • Von Auffassungen und Verfahren bestimmt, die die geringstmöglichen internen Interdependenzen für den Kundenumgang gewährleisten
Systeme
  • Basieren auf wenigen Leistungs-informationssystemen
  • Liefern nur Vorgesetzten aussage-fähige Leistungskennzahlen
  • Bieten Managementaus- und -weiter-bildung nur für Führungskräfte an
Systeme
  • Basieren auf vielen Leistungs-informationssystemen und liefern spezielle Kundendaten
  • Vermitteln Leistungskennzahlen an viele Beteiligte
  • Bieten für viele Beschäftigte Manage-mentaus- und -weiterbildung an
Kultur
  • Nach innen fokussiert
  • Zentralisiert
  • Träge bei der Entscheidungsfindung
  • Politisch
  • Risikoscheu
Kultur
  • Nach außen orientiert
  • Empowerment
  • Schnell in der Entscheidungsfindung
  • Offen und ehrlich
  • Risikofreundlicher
Quelle: Kotter 1997, S. 234
 

Änderungen in der Führungsstruktur

Während in einer beständigen Welt ein Unternehmen weiter nichts als einen kompetenten Chef braucht, wird Teamarbeit immer bedeutsamer je schnelllebiger das Wirtschaftsleben wird. In einer Umgebung ständigen Wandels haben selbst äußerst begabte Menschen nicht genug Zeit oder Erfahrung, um die sich rapide verändernden Konkurrenten, Kunden oder Informationen voll und ganz zu verstehen. Das heißt aber auch, dass an der Spitze von Unternehmen immer seltener ein einzelner Mensch stehen wird — wie intelligent, fleißig oder gebildet er auch immer sein mag — sondern immer öfter Teams.

"Leadership"

Im 20. Jahrhundert war die Ausbildung von Wirtschaftsfachleuten in Theorie und Praxis auf das Managen konzentriert, d.h. auf Planung, Finanzen, Organisation, Personal, Controlling und Problemlösungsstrategien. Das  Managen konzentriert sich auf das Bewältigen der aktuellen Herausforderungen. Auf das Umsetzen von Strategien. Erst im letzten Jahrzehnt dachte man häufiger an die Entwicklung von "Leadern", an Menschen, die Visionen und Strategien erzeugen und kommunizieren können.  Leadership berücksichtigt den Wandel und bringt so eine neue Dimension des Führens mit ein. Im nächsten Jahrhundert wird Führung im Sinne von Leadership jene Form sein, mit der die Unternehmen den Herausforderungen begegnen werden. 

Führung und Macht

Die Führungs- und Machtmechanismen werden mit Hilfe der traditionellen Methoden allein nicht mehr greifen. Die Spielregeln der Führung sowie die der Macht werden in vielen Bereichen umgeschrieben werden müssen. Wir leben in einer Welt, in der sich die Entwicklung nicht mehr mit den alten Rezepten kontrollieren lässt. Hier liefern gerade weibliche Sichtweisen erhebliche Chancen für neue und menschenfreundliche Lösungsansätze. (HÖHLER, 1997, S. 8)

Literatur
FÄHRLÄNDER, Ursula, "Self-Management und Self-Learning", Szenario und Analyse in HASENBÖHLER, Robert, KIECHL, Rolf u. THOMMEN, Jean Paul (Hrsg.) "Zukunftsorientierte Management-Ausbildung", Versus Verlag, Zürich, 1994
Kotter, John P., "Chaos, Wandel, Führung", ECON-Verlag, Düsseldorf, 1997
HÖHLER, Gertrud, "Frauen Geld Macht" in "Geld, Macht, Lust", BUSINESSfrauenCENTER, (Hrsg.), 2. Wiener Gründerinnenkongress, Wien, 1997

Verfasserinnen: © Maria Geitzenauer / Gisela Zechner (1999)

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